Er [Herodes] war aber sehr erbittert gegen die Tyrer und Sidonier. Sie kamen aber einmütig zu ihm, und nachdem sie Blastus, den Kämmerer des Königs, überredet hatten, baten sie um Frieden, weil ihr Land von dem königlichen [Land] ernährt wurde. An einem festgesetzten Tag aber hielt Herodes, nachdem er königliche Kleider angelegt und sich auf den Thron gesetzt hatte, eine öffentliche Rede an sie. Das Volk aber rief [ihm] zu: Eines Gottes Stimme und nicht [die] eines Menschen! Sogleich aber schlug [tötete] ihn ein Engel des Herrn dafür, dass er nicht Gott die Ehre gab; und von Würmern zerfressen, verschied er. (Apostelgeschichte 12:20-23, Elberfelder)
Zugegeben, aus unmittelbarer Nähe muss es ein entsetzliches und ekelhaftes Spektakel gewesen sein, mitzuerleben wie Herodes vollkommen unerwartet von einer unsichtbaren Macht niedergestreckt und von Würmern zerfressen wurde. Die Auswahl dieser Passage hat jedoch weniger damit als mit dem Verhalten der Tyrer und Sidonier zu tun. Herodes war zornig auf sie und obwohl der Grund dafür nicht genannt wird, hat ihre Offenheit für das Evangelium und die entstehende Kirche wohl eine wichtige Rolle gespielt, zumal der König, sehr zum Gefallen der Juden, die Verfolgung und Tötung der Christen vorantrieb.
Die Tyrer und Sidonier wussten gewiss davon. Weil sie sich aber wirtschaftlich von Herodes abhängig fühlten vermieden sie jegliche Konfrontation mit ihm. Stattdessen machten sie sich mit Hilfe des Kämmerers beim König lieb Kind, schmeichelten ihm und verehrten ihn schließlich sogar als Gott. Letztendlich wurden sie den Despoten sogar los. Das könnte dazu verleiten ihr Verhalten im Nachhinein als einen cleveren diplomatischen Schachzug zu interpretieren, obwohl ungeklärt bleibt, ob das ihre zukünftige Lebensmittelversorgung sicherstellte. Das wäre jedoch eine rein weltliche Interpretation der Ereignisse, denn als das Volk begann Herodes als Gott zu verehren konnte niemand ahnen, dass er wenig später durch den wahren Gott auf diese Weise aus dem Verkehr gezogen wurde.
Und so beschäftigt mich, wie wir uns heute wohl als Gotteskinder in ähnlichen Situationen verhalten:
Biblisch gesehen hängt unsere Existenz und Versorgung nicht von Menschen, sondern allein vom Herrn ab (siehe z.B. 5. Mose 28:1-14, Prediger 3:13, Matthäus 6:33, Kolosser 3:23) solange wir uns gehorsam um Gottes Angelegenheiten gemäß Seiner Anweisungen kümmern. Wenn wir jedoch überhaupt nicht an Jehovah Jireh (Gott versorgt) glauben oder einfach dem Herrn, dem wir nach eigenem Bekenntnis glauben und vertrauen, nicht vertrauen, dann werden wir höchstwahrscheinlich in einen ähnlichen Überlebensmodus schalten wie die Tyrer und Sidonier damals. Egal wie geschickt wir das auch rechtfertigen, jeglicher Versuch, Gott bei unserer Versorgung unter die Arme zu greifen bzw. für Ihn einzuspringen, Ihm auszuhelfen, wird uns von der Gnade eines Menschen, dessen Laune, Stimmungsschwankungen, Wohlwollen und subjektiven, selbstsüchtigen Meinungen und Entscheidungen abhängig machen. Und das alles, nur um uns ein Auskommen zu garantieren. Da stellt sich die berechtigte Frage: Ist das wohl ein gutes Zeugnis für die Allmacht unseres Schöpfers und gibt Ihm solch ein Verhalten wirklich die Ehre? Das ist sehr anzuzweifeln …
Gottfried Hetzer
08. November 2010