Schulden ohne Sühne. So überschrieben letzte Woche die Verfasser ihren Fachartikel zur Finanzthematik in der Tageszeitung “Die Welt”, wohl in Anlehnung an Shakespeares oft gebrauchtes Leitmotiv von “Schuld und Sühne”. Sie eröffneten ihren Bericht wie folgt:
“Das Sparerdasein ist seit geraumer Zeit frustrierend. Die Zinsen sind auf Niedrigstniveau. Daran wird sich auf mittlere Sicht nichts ändern. Warum nicht eine Immobilie kaufen und damit auf die Schuldnerseite wechseln? Das kann sich durchaus lohnen.”
Egal wie gut und logisch die dann aufgeführten Argumente diese These auch unterstützen mögen, aus biblisch geistlicher Sicht ist das Unsinn, eine subtile Täuschung und ein hinterlistiger Versuch, Menschen in die Versklavung zu verführen. Erinnern wir uns: “Wer Geld leiht wird zum Sklaven des Gläubigers.” (Sprüche 22:7) Wenn ich das also korrekt interpretiere, dann lautet die Botschaft hier: Ist die Belohnung (Zinsen) für die Ausbeutung und Versklavung anderer zu gering, dann macht es Sinn sich selbst durch Schulden zu versklaven.
Unglaublich. Was sich wie eine lächerliche Option anhört ist aus weltlicher Sicht ein durchaus gesunder Finanzansatz! Oft wird mir vorgehalten, dass Schulden für Immobilien keine wirklichen Schulden sind, weil sie ja durch diese Immobilie gedeckt sind. Und nun deklariert dieser Fachartikel den kreditfinanzierten Immobilienerwerb als lohnenswerte Schulden. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Die ganze Finanzsystematik, die unsere Wirtschaften und unser tägliches Leben bestimmt, macht ohnehin keinen rechten Sinn.
In einem kürzlich gegebenen Interview verurteilte der renommierte Schweizer Soziologe Jean Ziegler unter anderem wirtschaftlichen Irrsinn. Hier mal nur drei Beispiele, die allesamt von Experten jeglicher Gilde als wirtschaftlich weise und alternativlos verteidigt werden, obwohl sie genau die zerstören, die Unterstützung und Hilfe benötigen:
All das steht in starkem Widerspruch zum Biblischen Geldmanagement, also Gottes Sichtweise für den täglichen Umgang mit Geld im privaten Gebrauch und wirtschaftlichen Geschäftsprozess, weil dort weder Ausbeutung (z. B. Sprüche 14:31, 22:22; Jakobus 2:5-8), noch Zinsen (z.B. Exodus 22:25; Sprüche 28:8; Hesekiel 18:8, Nehemia 5:11), Schulden (z.B. Lukas 6:34-35) oder jegliche andere zerstörerische Geld-getriebene Ansätze Raum haben.
Höchste Zeit anzuerkennen, dass wir hier falsch liegen und sich unser Handeln ändern muss, soweit wir das beeinflussen können. Sonst müssen wir doch noch sühnen. Wäre doch super, wenn wir uns als Gläubige einander ermutigen würden, auf Basis von Gottes Prinzipien zu handeln, die sich von den weltlichen deutlich unterscheiden. Es ist möglich!
Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist. (Römer 12:2, Die Gute Nachricht, Betonung meine)
Gottfried Hetzer
13. Juli 2010